Europa erlebt seit Monaten eine beispiellose Energiepreiskrise. In Medienberichten wurde deshalb zuletzt das Geschäftsmodell dynamischer Tarife in Frage gestellt. Das ist nicht nur kurzsichtig, sondern auch faktisch falsch.

Gerade die Pleite- und Kündigungswelle bei traditionellen Stromanbietern in den vergangenen Monaten und die Tatsache, dass derzeit zahlreiche Stromanbieter keine Neukund:innen akzeptieren zeigt, dass eher das Modell Fixpreis an seine Grenzen stößt.

Wir haben sieben Gründe zusammengestellt, die zeigen, warum dynamische Tarife auch und vor allem in der Energiekrise mehr Vor- als Nachteile haben.

1. Dynamische Tarife verhindern Pleitewellen, die vor allem für Verbraucher:innen teuer sind. Bei der jüngsten Pleitewelle haben hunderttausende Kund:innen in Deutschland ihren Stromanbieter verloren und fanden sich unverhofft in Grundversorger-Stromtarifen wieder, die teilweise 1 Euro und mehr je Kilowattstunde kosten. Länder wie Norwegen oder Schweden, wo hauptsächlich dynamische Tarife genutzt werden, haben so gut wie keine Pleiten von Stromanbietern erlebt. Im Gegenteil, die Nachfrage nach dynamischen Tarifen, die Kontrolle und Steuerungsmöglichkeiten bieten, ist stark gestiegen.

2. Unabhängig vom gewählten Tarif – die Konditionen für alle Stromanbieter im Einkauf sind dieselben. Für garantierte Preise wird häufiger langfristig eingekauft – Schwankungen im Preis werden also nur in die Zukunft verschoben. Oft genug mit dem Effekt, dass Preissenkungen noch langsamer weiter gegeben werden als zuvor die Steigerungen.

3. Kein Anbieter bietet seine Leistungen dauerhaft unter Einkaufspreis an. Das bedeutet, sollte der durchschnittliche Preis eines Vertrags zu Verlusten führen, wird einseitig der Preis erhöht oder der Vertrag kurzfristig gekündigt.

4. Kund:innen dynamischer Stromtarife haben die Preiserhöhungen zwar als erste gespürt, profitieren aber auch als erste von den wieder sinkenden Strompreisen. Um beide Tarifmodelle fair vergleichen zu können, sind nicht Ausreißer nach oben und unten relevant, sondern das was die Kund:innen am Ende über einen längeren Zeitraum tatsächlich bezahlen. Sinken die Börsenstrompreise, profitieren Verbraucher:innen mit dynamischen Tarifen sofort – während Kund:innen, die jetzt oder in den kommenden Monaten teure Fixpreis-Tarife abschließen, in diesen oft für ein Jahr gebunden sind.

5. Ein dynamische Tarif mit Day-Ahead-Preisen über die vergangenen 12 Monate war trotz 6-monatiger Rekordpreis-Phase günstiger als der aktuell günstigste Ökostrom-Tarif zum Fixpreis inklusive Boni.

6. Dynamische Ökostrom-Tarife in Kombination mit Smart Metern sorgen dafür, dass der Stromverbrauch günstiger und grüner wird. In der aktuellen Übergangsphase von einem Mix aus erneuerbarer und fossiler Energie sind die Lastspitzen besonders teuer. Unser Strommix wird insgesamt für alle günstiger und grüner, wenn Verbraucher:innen über dynamische Tarife Anreize haben, ihren größeren Stromverbrauch – beispielsweise Laden eines E-Auto oder Betrieb einer Wärmepumpe – in Zeiten zu verlegen, wenn besonders viel Strom aus Sonne und Wind im Netz ist. Wenn weniger Spitzen auftreten, die von fossilen Kraftwerken aufgefangen werden müssen, wird es ingesamt günstiger und der Strommix bleibt grüner.

7. Auch Verbraucherschützer:innen und die Bundesregierung wollen mehr dynamische Tarife: Seit dem 1. Januar 2022 sind Stromanbieter mit mehr als 100.000 Kund:innen in Deutschland verpflichtet, dynamische Tarife anzubieten. In einer Stellungnahme vom 14. Februar des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) heißt es: „Ladestationen und Wärmepumpen können bei erhöhtem Stromangebot zugeschaltet und besonders preisgünstig betrieben werden. [...] Der vzbv fordert, dass bei flexiblen Verbrauchseinrichtungen ein überwiegend marktorientierter Ansatz anhand von zeitvariablen Netzentgelten verfolgt wird.“

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